Fast wäre es das perfekte Trial geworden. Mit nur einem Fehlerpunkt nach 21 durchfahrenen Geländesektionen gewann Franzi Kadlec (26) aus Reichersbeuern zum dritten Mal das ADAC-Nacht-Trial des MSC Weser-Solling in Uslar-Fürstenhagen. Vor über 1.200 Zuschauer siegte der achtfache Deutsche Meister bei der Fahrt von der Dämmerung in die Nacht vor Paul Reumschüssel (22) aus Steinbach-Hallenberg und Rodney Bereiter (18) aus Michelstadt.
Erstmals traten auf dem Motorrad- und Radsport-Gelände des ADAC-Ortsklubs auch die deutschen Elite-Fahrerinnen an. Mit hauchdünnem Vorsprung gewann die vierfache Deutsche Meisterin Theresa Bäuml (25) aus Winningen an der Mosel vor der DM-Führenden Vivian Wachs (24) aus Frammersbach und Sophia ter Jung (23) aus Neunkirchen.

„Das war wieder eine tolle Veranstaltung. Die vielen Zuschauer und die Fahrt unter Flutlicht sind einmalig“, sagte Kadlec, als er nach etwas mehr als zwei Stunden Fahrt über Sandsteine, Baumwurzeln und Betonblöcke seinen Punktezettel am Holzturm des MSC-Geländes zur Auswertung abgab.
„Auf den Wechsel zwischen Licht und Schatten habe ich mich gut eingestellt, aber die Feuchtigkeit, die nach Sonnenuntergang in die Spur zog, hat mich überrascht und einmal kurz aus dem Takt gebracht. Dennoch bin ich sehr zufrieden“, fasste der gelernte Anlagentechniker, der eine spanische TRRS fährt, zusammen.
Dem Sieger dicht auf den Fersen war Paul Reumschüssel. Der Thüringer hatte sich kurz vor dem Start noch kameradschaftlich mit Kadlec über den Zustand der Strecke ausgetauscht und ließ dem Konkurrenten später keinen Spielraum für Fehler. Ebenfalls auf TRRS unterwegs kam der Werkzeugmechaniker mit acht Punkten ins Ziel. „Ich wollte die Füße möglichst oft auf den Rasten lassen, und das ist mir gelungen“, sagte er abgekämpft und sichtlich zufrieden im Ziel.
Etwas länger brauchte Theresa Bäuml, bis sie mit strahlendem Siegerlächeln von ihrer Vertigo stieg. Nach der Zieleinfahrt blickten Bäuml und Konkurrentin Vivian Wachs auf ihren Motorrädern sitzend für einige Minuten gebannt auf den Ergebnis-Monitor, bis der Sieg der vierfachen Deutschen Meisterin Bäuml nach einer starken letzten Runde feststand.
„Ich hatte anfangs in zwei Sektionen je fünf Fehlerpunkte gesammelt und habe einige glatte Abschnitte falsch eingeschätzt. Zum Ende hin passte es deutlich besser“, sagte die Anwendungstechnikerin und ließ sich noch einmal das Mikro für einen Dank an den MSC und seine Zuschauer geben: „Eine tolle Veranstaltung. Für uns Frauen war es die Premiere in Fürstenhagen, und es war mega, wie gut der Klub unsere Fahrspur hinbekommen hat.“


DM-Konkurrentin Vivian Wachs war auf ihrer TRRS mit klarem Siegeswillen angetreten. Die Konstruktionsmechanikerin analysierte nach ihrem Lauf: „Ich habe stark angefangen, aber hatte in der Mitte einen Durchhänger. Ich habe einige Sektionen gebraucht, bis ich mich an die Dunkelheit gewöhnt hatte. Trotzdem war das Nacht-Trial eine neue und schöne Erfahrung.“
Dem schloss sich auch Dietrich Siemon, Erster Vorsitzender des MSC und Fahrtleiter, an: „Wir sind bei der Zuschauerzahl sofort wieder auf Vor-Corona-Niveau gekommen, und das trotz wechselhafter Witterung. Die Premiere der Frauen-DM hat aus dem Stand heraus hervorragend geklappt und das Zusammenspiel mit unseren Partnern DRK Uslar, THW Bad Lauterberg und der Freiwilligen Feuerwehr war so, als hätte es keine vier Jahre Unterbrechung gegeben. Wir gehen jetzt wieder in den gewohnten Zwei-Jahres-Rhythmus und freuen uns auf das Nacht-Trial 2025.“
Und auch jenseits des sportlichen Aspekts war das Nacht-Trial ein Erfolg. 1.000 Würstchen, 200 Spießbraten, 600 Schälchen Pommes und 250 Portionen der legendären Kartoffelpfanne gingen über den Tresen.
Martin Hellwig, mit dem elterlichen Gasthaus zur Linde in Heisebeck im Hintergrund, hatte Speisen und Getränke gemeinsam mit Jens Ackerhans vom Landgasthaus zur Linde in Fürstenhagen organisiert und das Catering koordiniert. „Große Nachfrage, entspannte Gäste und an den Ständen kannte jedes Team-Mitglied seine Aufgaben. Es hat alles super geklappt, nur beim nächsten Mal brauchen wir bei dem Andrang noch eine weitere Friteuse“, zog Hellwig Bilanz. Auch im Gastrobereich also ein fast perfektes Trial.

Das ADAC Nacht-Trial des MSC Weser-Solling in Uslar-Fürstenhagen
Trial-Piloten sind die Akrobaten und Kletterer des Motorradsports. Beim Trial gewinnt, wer mit seinem Motorrad schwierige Geländeabschnitte fehlerfrei meistert. Mit Körperbeherrschung und Gespür für die millimetergenaue Linie suchen Trialfahrer den besten Weg über mannshohe Hindernisse und die perfekte Einheit mit ihrem 70 Kilogramm leichten Motorrad. Bodenkontakt mit den Füßen gibt Strafpunkte. Geschwindigkeit spielt keine Rolle, es gibt nur ein Limit für die Fahrzeit. Trial ist die hohe Schule des Motorradfahrens. Beim ADAC Nacht-Trial in Fürstenhagen entsteht dank Flutlicht zusätzliche Spannung und Atmosphäre. Acht Geländesektionen nehmen die Piloten in Angriff. Der Aufbau ist kompakt. Nur wenige Minuten Fußweg liegen zwischen den zahlreichen Zuschauerpunkten. Erstmals war 2023 auch die Frauenklasse am Start.

Text: Heiner Spannuth (MSC Weser-Solling e.V.)

Bilder: Heiner Spannuth, Martin Sonsalla (MSC Weser-Solling e.V.)

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